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Die Neugier wecken

Auf einer Wanderung mit meinen Kindern, durfte ich eine interessante Beobachtung machen. Der Weg war steil, es war warm und wir waren schon eine ganze Weile auf einem relativ unspektakulären Fahrweg unterwegs. Die körperliche Mühe drohte in Unmut umzuschlagen, als erst mein Sohn und dann meine Tochter begannen, die Pflanzen am Wegesrand zu benennen. Eine liebe Freundin hatte ihnen einige Wochen zuvor einen Pflanzen- und Baumführer geschenkt und das Wissen, dass sie sich angelesen hatten, kam ihnen nun zu Gute. Was wir nicht kannten schlugen wir nach und das wir kurz vor dem Bergsattel noch einen Feldhasen sahen, machte den Aufstieg zu einer runden Sache.





Interessant war, wie die Wahrnehmung des körperlichen Unwohlseins völlig in den Hintergrund verschwand und durch etwas anderes, kraftvolles ersetzt wurde: Neugier.


In den sieben Faktoren, die dabei helfen zu "Erwachen" (oder wach, sprich präsent, zu sein), nennt der Buddha dhammavicaya - das Erkunden, Untersuchen und Betrachten von Erlebnissen und Erfahrungen. Der Ausgangspunkt für ein solches Erforschen ist oft genug Interesse und Neugier.


Neugier ist fasziniert und zugewandt, interessiert und überascht. Im Gegensatz zum ängstlichen, argwöhnischen oder kritischen Blick, bewahrt sie sich eine gewisse Offenheit und Unbefangenheit. Sie ist zwar interessiert, aber nicht persönlich betroffen von dem, was sie sich da ansieht (bzw. ausspürt).


Eine Verkörperung der Neugier sind für mich Fragen. Als unausgesprochene Haltung oder direkte Fragestellung ans Erleben, wie zum Beispiel: "Was ist das?", "Was passiert da gerade?", "Was kann ich da noch entdecken?", "Mit was steht das im Zusammenhang?", "Was passiert, wenn...?" usw.


Fragen können die Liebe zum Detail, die Lust genauer Hinzusehen zurückbringen, wenn uns die Praxis alltäglich und monoton wird. Fragen können auch kleine Experimente beschreiben ("Was passiert, wenn ich einmal auf diese Weise atme?", "Was passiert, wenn ich meinen Fokus ändere?" "Was passiert, wenn ich einfach mal nichs tue?"), die unserer Praxis wieder einen spielerischen, leichten und interaktiven Charakter zurückschenken.


Wie alles andere, so haben auch Fragen ihre Schattenseiten - sie können den analytischen, kommentierenden Geist aktivieren, den Anteil in uns, der wissen und mehr wissen will, und dessen theoretisches "Denken über" uns aus dem Kontakt mit dem Erleben bringt. Neugier und die dazugehörigen Fragen, sind dann hilfreich, wenn sie uns in Kontakt mit dem Erleben bringen, und die Notwendigkeit eine Antwort haben zu müssen etwas in den Hintergrund rücken darf.


Im Wörtchen "Neugier" steckt eine weitere Warnung vor dem "zuviel des Guten": beständige Neu-Gier, ein Verlangen nach neuen Reizen, Impulsen und Intensitäten, kann dazu führen, dass wir mit einer Erfahrung nicht lange genug verweilen, sondern sprunghaft von einem Erleben zum nächsten hasten. Darum darf sich die Neugier als verbündete Qualität die Ruhe und die Fähigkeit sich beruhigen zu können (passadhi) einladen. Diese ist selbst einer der oben genannten sieben Faktoren.


Was solche ruhige und beständige Neugier schaffen kann, ist eine Einladung an die Aufmerksamkeit, sich einzulassen - auf neue Perspektiven, Erlebnisse und Sichtweisen. Damit entlasten wir andere Qualitäten, die uns helfen in die Praxis zu finden, wie Pflichtgefühl, Disziplin und Routine. Und wir öffnen die Tür für Erfahrungen wie Freude, Zufriedenheit und Staunen, die es wiederum leichter machen, in der Praxis zu verweilen.

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